Sandra Hanington als CEO der Royal Canadian Mint zurückgetreten

von Ursula Kampmann

31. Mai 2018 – Sandra Hanington wird als CEO der Royal Canadian Mint zum 1. Juli 2018 zurücktreten. Sie hat am 22. Mai 2018 völlig überraschend bekannt gegeben, dass sie ihren Fünf-Jahres-Vertrag vorzeitig kündigt. In einer Pressemeldung der Royal Canadian Mint liest man folgende Stellungnahme:

Sandra Hanington. Foto: UK.

Sandra Hanington. Foto: UK.

CEO und Präsident Sandra L. Hanington kündigte heute an, dass sie die Royal Canadian Mint zum 1. Juli 2018 verlassen wird.

Hanington sagt: „Nach beträchtlichem Nachdenken und Überlegen bin ich mir sicher, dass der Zeitpunkt meiner Entscheidung sowohl für die Münzstätte als auch für mich richtig ist.“

Die Entscheidung kommt kurz nach dem großen Erfolg des Münzprogramms zu 150 Jahren Kanada und kurz nachdem die Münzstätte den größten Einzelauftrag für ausländische Umlaufmünzen ihrer Geschichte akquiriert hat. Er wird eine Dividende von 93,2 Mio. CAD in die Kassen der Regierung spülen.

Hanington sagt: „Diese Erfahrung war gewaltig, aber auch äußerst fordernd. Während ich die nächste Stufe meiner Karriere besteige, hoffe ich, diese schwierige Balance hinzubekommen, die so viele zwischen ihrem beruflichen und ihrem privaten Leben zu erreichen suchen.“

Auf Empfehlung des Verwaltungsrats hat das Finanzministerium bestätigt, dass Jennifer Camelon, CFO und Vizepräsident von Finanzen und Verwaltung zwischenzeitlich als CEO und Präsident der Münzstätte amtieren wird, ehe die Regierung nach einem offenen und transparenten Entscheidungsprozess die Stelle dauerhaft neu besetzen wird.

Finanzminister Bill Morneau sagte folgendes: „Sandra Hanington hat Bedeutendes für die Royal Canadian Mint beigetragen, und ich schätze ihr Engagement hinsichtlich Verantwortung, Innovation und Nachhaltigkeit sehr. Ich wünsche ihr und ihrer Familie viel Glück bei diesem neeun Kapitel und danke ihr für ihr Engagement, einen nahtlosen Übergang sicherzustellen.“

Soweit die Pressemeldung. Die kanadische Presse berichtet darüber hinaus, dass – wie offizielle Stellen angeben nur aus Zufall zeitgleich – Phyllis Clark dem Verwaltungsrat beitreten wird. Sie ersetzt Susan Dujmovic, die im August 2017 vorzeitig ihr Amt niedergelegt hat. Sie bekleidete ihre Stelle nur zwei von den eigentlich vereinbarten fünf Jahren.

Man kann es verstehen. Derzeit haben es die Verantwortlichen nicht leicht. Die Royal Canadian Mint hatte in den letzten Jahren tatsächlich mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen:

Im Februar 2015 wurde die Ernennung von Sandra Hanington als CEO der Royal Canadian Mint bekanntgegeben. Sie war damals als Executive Vice-President der BMO Finanzgruppe bereits dreimal auf der Liste der 100 mächtigsten Frauen Kanadas erschienen.

Nur wenige Monate nach ihrem Arbeitsbeginn wurde die Royal Canadian Mint zum Ziel einer Schmutzkampagne der Boulevardmedien wegen der Spesenpolitik ihrer Vorgänger.

Kopfschmerzen dürfte Sandra Hanington auch die Rückgabe der zahlreichen 20, 50 und 100 Dollar Gedenkmünzen gemacht haben, die von unzufriedenen Kanadiern an die Münzstätte zum Nominalpreis retourniert wurden, als der Silberpreis fiel. Wegen der Kosten, die dadurch entstanden, sank der Gewinn der Royal Canadian Mint im Jahr 2016 beträchtlich.

Nicht zu vergessen die beiden Diebstähle, wegen derer die Royal Canadian Mint 2016 und 2018 in den Medien war.

Dazu kommt noch der unerfreuliche Rechtstreit mit der Royal Australian Mint um ein Patent für den Farbauftrag auf Umlaufmünzen, der 2017 begann und mittlerweile in die zweite Runde gegangen ist. Auch ihn erbt ein potentieller Nachfolger, eine potentielle Nachfolgerin von Sandra Hanington.

Kein einfaches Erbe.

Hier finden Sie die offizielle Pressemeldung, die den Rücktritt Sandra Haningtons bekannt gibt.

Selbstverständlich berichtete die kanadische Presse über diesen Rücktritt, wobei sich die Artikel inhaltlich gleichen: Lesen Sie die National Post oder die North Shore News.

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