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Die Casa Savoia – Eine Adelsfamilie zwischen Italien, Frankreich und der Schweiz. Teil 3

Am 17. November 2018 versteigert das monegassische Auktionshaus Éditions Victor Gadoury eine umfassende Sammlung von Münzen und Medaillen der Casa Savoia aus königlichem Besitz. In Teil 1 und 2 können Sie von den Anfängen lesen und der Erlangung der Königskrone.

Carlo Alberto, 1831-1849. 100 Lire, Turin, 1833. MIR 1043c. Einzigartig in dieser Erhaltung. NGC Proof63 Cameo. Taxe: 20.000,- Euro. Aus Auktion Gadoury (17. November 2018), Nr. 1735.

Carlo Alberto, 1831-1849. 100 Lire, Turin, 1833. MIR 1043c. Einzigartig in dieser Erhaltung. NGC Proof63 Cameo. Taxe: 20.000,- Euro. Aus Auktion Gadoury (17. November 2018), Nr. 1735.

Kapitel 6: Auf dem Weg zur königlichen Dynastie

Der Aufstand der Carbonari und das gescheiterte Risorgimento
Vittorio Emanuele I. hatte kein Verständnis dafür, dass die französische Revolution das Bewusstsein der Menschen verändert hatte. Hatten die ersten Carbonari sich gegen die Fremdherrschaft der Franzosen empört, fochten sie nun gegen die absolutistische Reaktion. 

Carlo Alberto verspricht seine Unterstützung den Aufständischen von 1821. – Fiktiver Kupferstich der Jahre zwischen 1850 und 1875.

Carlo Alberto verspricht seine Unterstützung den Aufständischen von 1821. – Fiktiver Kupferstich der Jahre zwischen 1850 und 1875.

Nachdem ein Aufstand im Königreich Sizilien erfolgreich gewesen war, marschierte eine Abordnung der Carbonari nach Turin und erzwang dort eine liberale Verfassung und die konstitutionelle Monarchie. Vittorio Emanuele, der sich damit nicht abfinden wollte, dankte zu Gunsten seines Bruders Carlo Felice ab. Da dieser aber in Modena weilte, wurde kurzfristig Carlo Alberto – ein Abkomme der Nebenlinie Savoyen-Carigano, zu der auch Prinz Eugen gehört hatte – mit der Regentschaft betraut. Er wurde wegen seiner liberalen Ansichten für einen Sympathisanten der Carbonari gehalten. Und so bekannte sich Carlo Alberto mit der Trikolore in der Hand zur neuen Verfassung.

Als Carlo Felice in Turin eintraf, hatte er ein österreichisches Heer dabei, mit dem er dem Carbonari-Spuk ein Ende bereitete. Carlo Alberto musste ins Exil. Das Königreich wurde wieder reaktionär und die Carbonari begannen erneut, im Untergrund zu agieren.
Doch 1831 starb Carlo Felice, ohne Kinder zu hinterlassen. Der liberale Carlo Alberto beerbte ihn und wurde zur Lichtgestalt aller italienischen Liberalen. 1837 führte er ein liberales Zivilgesetzbuch ein. Er baute Eisenbahnen und förderte die Industrie. 1848 erließ er das Statuto Albertino, das aus seinem Reich eine konstitutionelle Monarchie machte.

Italien zur Zeit von Carlo Alberto. Karte: Gigillo83. CC-BY 3.0.

Italien zur Zeit von Carlo Alberto. Karte: Gigillo83. CC-BY 3.0.

Während die Aufständischen des Jahres 1848 in Frankreich und Österreich vor allem größere politische Beteiligung forderten, ging es in Italien vor allem um die politische Einheit des Landes und die Befreiung von Herrschern, die als „fremd“ empfunden wurden. Der König von Sardinien eignete sich als Gallionsfigur deshalb, weil er der einzige weltliche Herrscher in Italien war, der als Italiener galt. So forderten die Protagonisten des Risorgimento Carlo Alberto immer wieder auf, sich an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung zu stellen. Und tatsächlich erklärte Savoyen der Donaumonarchie den Krieg.

Luigi Norfini (1825-1909), Szenen der Schlacht von Novara.

Luigi Norfini (1825-1909), Szenen der Schlacht von Novara.

Mit der Schlacht von Novara endeten vorerst die Träume von einer italienischen Unabhängigkeit. Noch am Tag der Schlacht dankte Carlo Alberto zugunsten seines Sohnes Vittorio Emanuele II. ab und ging nach Portugal ins Exil, wo er wenige Monate später starb.
Savoyen wurde eine Kriegsentschädigung in Höhe von 75 Millionen französischer Francs auferlegt, die Vittorio Emanuele II. nur wenig Bewegungsfreiheit ließ. Aber immerhin hatte er keine territorialen Verluste hinnehmen müssen.

Vittorio Emanuele II. 100 Lire, Turin, 1864. MIR 1076a (R3). Mit Henkel und handschriftlichem Vermerk, dass es sich um ein Geschenk Vittorios Emanueles an Carabelli Innocente im Jahr 1875 handle. Gutes sehr schön. Taxe: 1.000,- Euro. Aus Auktion Gadoury (17. November 2018), Nr. 1745.

Vittorio Emanuele II. 100 Lire, Turin, 1864. MIR 1076a (R3). Mit Henkel und handschriftlichem Vermerk, dass es sich um ein Geschenk Vittorios Emanueles an Carabelli Innocente im Jahr 1875 handle. Gutes sehr schön. Taxe: 1.000,- Euro. Aus Auktion Gadoury (17. November 2018), Nr. 1745.

Der König von Sardinien wird zum König der Italiener
Vittorio Emanuele führte den liberalen Kurs seines Vaters weiter. Die Trennung von Kirche und Staat wurde vollzogen, die Armee reorganisiert, Verwaltung und Justiz modernisiert. Dank einer Reihe von wirtschaftlichen Liberalisierungen wurde das Reich Vittorio Emanueles zu einem der fortschrittlichsten Europas, das keine Mühe hatte, die Kriegsschulden zurückzuzahlen.
Und Vittorio Emanuele wurde zur Symbolgestalt des Risorgimento. Viva Verdi bedeutete nichts anderes als Viva Vittorio Emanuele Re d’Italia. Doch im Alleingang war die Unabhängigkeit Italiens nicht zu gewinnen. So schloss sich Savoyen Frankreich an. Und das sah in der Schwächung der Habsburger Monarchie einen entscheidenden Vorteil für das eigene Reich.
Es waren gezielte Provokationen, die 1859 ein österreichisches Heer zum Einfall ins Piemont veranlassten. Damit trat der Bündnisfall ein und Frankreich unterstützte Vittorio Emanuele im Sardinischen Krieg. Mit der Schlacht von Solferino endete die Herrschaft der Österreicher in Oberitalien. Vittorio Emanuele erhielt im Frieden von Villafranca die Lombardei. Napoleon III. zog durchaus Gewinn aus der Situation: Das Herzogtum Savoyen, Stammland der Casa Savoia, ging in Frankreich auf.
Wir müssen hier nicht die Geschichte des Risorgimento wiederholen. Wir alle kennen das Resultat. Vittorio Emanuele II. wurde am 17. März 1861 zum König proklamiert.

Vittorio Emanuele III. Probe zu 100 Lire, Rom, 1910 R. Äußerst selten. NGC Proof66. Taxe: 150.000,- Euro. Aus Auktion Gadoury (17. November 2018), Nr. 1759. Durchm. 38 mm.

Vittorio Emanuele III. Probe zu 100 Lire, Rom, 1910 R. Äußerst selten. NGC Proof66. Taxe: 150.000,- Euro. Aus Auktion Gadoury (17. November 2018), Nr. 1759. Durchm. 38 mm.

Seine Nachkommen, Umberto I. und Vittorio Emanuele III. führten Italien mit mehr oder eher weniger Glück durch die Wechselfälle der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 

Enden wir mit der Feststellung, dass Vittorio Emanuele III. seine Freude gehabt hätte an der Münzsammlung, die am 17. November 2018 bei Gadoury versteigert wird. Immerhin ist er als großer Münzsammler und Initiator des Corpus Nummorum Italicorum in die Geschichte der Numismatik eingegangen.

Die beiden ersten Teile dieser Reihe lesen Sie hier und hier.

In der MünzenWoche lesen Sie auch einen ausführlichen Vorbericht.

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