Einen Quarter für den Kameraden

von Leonie Schulze

9. August 2018 – Es gibt 147 amerikanische Soldatenfriedhöfe in den Vereinigten Staaten und 24 weitere außerhalb der Landesgrenzen u.a. in Frankreich, Belgien, Tunesien und den Philippinen. Eines haben sie gemeinsam: man findet dort auf den Grabsteinen der Gefallenen Münzen. Abgelegt werden sie von Familienmitgliedern, Freunden und Menschen, die sie gar nicht kannten. Der Wert der Münze übermittelt den nächsten Besuchern eine Nachricht. 

Geschmückte Gräber auf dem Fort Logan National Cemetery in Denver/Colorado. Foto: Tony Massey / CC BY-SA 2.5.

Geschmückte Gräber auf dem Fort Logan National Cemetery in Denver/Colorado. Foto: Tony Massey / CC BY-SA 2.5.

Münzen in Verbindung mit Grabstätten sind nicht allzu überraschend, haben uns doch Ausgrabungen in den Gebieten des antiken Griechenlands und Roms bewiesen, dass schon vor Jahrtausenden Verstorbenen eine Münze in den Mund gelegt wurde. Bis hält man in manchen Kulturen die Augenlider mit Münzen geschlossen. Warum aber legen Amerikaner Münzen auf die Grabsteine der gefallenen Militärs?

Vermutlich entstand die moderne Tradition im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg der 1960er und 1970er-Jahre. Die Geste ist eine Respektsbekundung und der Wert der Münze hat eine Bedeutung. Ein Penny soll den Angehörigen zeigen, dass jemand die Grabstätte besucht hat. Münzen mit höherem Wert zeigen, dass man dem Verstorbenen näher stand. Ein Fünf-Cent-Stück bedeutet, dass man im selben Ausbildungslager war. Eine Zehn-Cent-Münze wird meist von Soldaten der gleichen Abteilung abgelegt. Manchmal findet man sogar einen Quarter, also ein 25-Cent-Stück. Das bedeutet, dass derjenige, der es dort abgelegt hat, in der Todesstunde der Soldatin oder des Soldaten anwesend war.

Der ehemalige Verteidigungsminister Ashton Carter legte im Mai 2015 eine Challenge Coin auf den Grabstein eines Freundes der Familie. Foto: Department of Defense, Sean Hurt.

Der ehemalige Verteidigungsminister Ashton Carter legte im Mai 2015 eine Challenge Coin auf den Grabstein eines Freundes der Familie. Foto: Department of Defense, Sean Hurt.

Neben Münzen mit Nominalwert, finden sich auch immer wieder Medaillen (sogenannte Challenge Coins) auf Grabsteinen. Diese werden an Soldaten als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit vergeben. In Erinnerung an den Verstorbenen legen manche Kameraden eine solche Medaille auf dessen Grab ab. Die MünzenWoche berichtete über diese Challenge Coins, deren Tradition in den Vereinigten Staaten bis zum Ersten Weltkrieg zurückreicht.

Auf diesem Grabstein in Holice (Tschechien) haben viele Besucher kleine Steine hinterlassen.

Auf diesem Grabstein in Holice (Tschechien) haben viele Besucher kleine Steine hinterlassen.

Manch einer wird in diesem Zusammenhang an die jüdische Tradition denken, Steine auf der Grabstätte zu hinterlassen. Früher mehrten diese frommen Gaben die Größe des über dem Grab errichteten Steinhaufens. Die Tradition hat sich bis heute erhalten, auch wenn sie angesichts Marmorplatten und Grabstein unnötig erscheint.

Besonders am Memorial Day besuchen Amerikaner die Soldatenfriedhöfe. Der lokale Nachrichtensender NewsChannel5 mit Sitz in Nashville (Tennessee) erklärte die Tradition am diesjährigen Memorial Day in diesem kurzen Beitrag. Im Mai 2017 sprach ABC Chicago mit einem amerikanischen Kriegsveteranen darüber, warum er jedes Jahr auf einem Grab einen Quarter ablegt.

Mehr Informationen über die jüdische Bestattungskultur finden Sie bei Planet Wissen.

Einer der beliebtesten Artikel der MünzenWoche beantwortet die Frage, was auf den amerikanischen Kleinmünzen dargestellt ist.

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